Sehr geehrter Gast, Sie haben eine gute Wahl getroffen und befinden sich im historischen „Café Huttenhof“ mitten in der malerisch-zauberhaften Steinheimer Altstadt. Nun werden Sie sich fragen, wie kam der Huttenhof zu seinem Namen?

Die Familie von Hutten

Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert lebten im Bergwinkel – also der Gegend um Schlüchtern – der berühmte Humanist und Ritter Ulrich von Hutten (1488-1523), dessen Wurzeln auf Burg Steckelberg zurückgehen. Unweit davon besaß sein Vetter Frowin von Hutten (1469-1529) im Klingbachtal des heutigen Bad Soden-Salmünsterer Stadtteils Hausen die Wasserburg „Hausen zu den Brucken“. Ab 1507 finden wir Frowin von Hutten am Mainzer Hof in einem der klassischen Hofämter, denn er war Hofmarschall und gehörte zu den leitenden weltlichen Beamten. Ihm stand es als eine große Ehre seines Amtes zu, bei besonderen Kirchenfesten das Schwert seines Herrn zum Zeichen der „zeitlichen Gerichtsbarkeit“ voranzutragen. Die Kurfürst-Erzbischöfe von Mainz gehörten in ihrer Eigenschaft als Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (für Germanien) zu den einflußreichsten deutschen Reichsfürsten und waren auch Amtsinhaber eines beachtenswerten Staatsgebietes.
Auch Kaiser Maximilian I. (1459-1519) war Frowin von Hutten sehr zugetan. Er erteilte ihm 1514 besondere Vergünstigungen wie den kaiserlichen Schutz und die Zoll-, Jahrmarkts- und Bergwerksfreiheit 1515. Als der erfolgreiche Ritter stärker in die Staatsgeschäfte seines hohen Herrn eingebunden wurde, erhielt er von diesem höchstpersönlich die außergewöhnliche Ehre des Ritterschlags mit dem Zeremonienschwert zum „eques auratus“. Der Kaiser ernannte ihn 1516 zu seinem Rat und Diener von Haus.

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Hans Sebald Beham, Kardinal Albrecht bei der Vorbereitung zur Messe, rechts: Hofmeister Frowin von Hutten als Träger der Machtinsignien (aus: Messgebetbuch Albrechts von Brandenburg, Hofbibliothek Aschaffenburg, Ms. 8)

In 1514 entschied sich das Mainzer Domkapitel einstimmig für den jungen Markgrafen Albrecht von Brandenburg (reg. 1514-1545). So kam es, daß Albrecht schon bald die Dienste des Marschalls in Anspruch nahm. Nach der Rangerhöhung des Erzkanzlers „per germaniam“ zum Kardinal in 1519, stieg Frowin von Hutten zum mainzischen Hofmeister auf. Er wurde somit stärker in die Staatsgeschäfte seines Herrn eingebunden und vertrat ihn in weltlichen Angelegenheiten.
Im Jahr 1521 eröffnete Kaiser Karl V. (1500-1558) in Worms seinen ersten Reichstag. Über die herausragende Persönlichkeit des Frowin von Hutten, der sich im Gefolge des Kurfürst-Erzbischofs von Mainz befand, war der Gebieter aus dem Haus Habsburg bestens unterrichtet und erneuerte 1521 in Worms seinen herrscherlichen Schutz und die persönlichen Freiheiten.


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Der Huttenhof in Steiheim vor dem Umbau 1873, nachgezeichnet von Helmut Vandré, 1981.

Seit 1509 war Frowin verheiratet. Seine Ehefrau Kunigunde war die 1480 geborene Tochter Marquards von Hattstein und der Anna Wais von Fauerbach zu Dorheim. Sie war die Witwe des Walter von Reifenberg. Kunigunde schenkte ihrem Gatten Frowin drei Töchter: Margareta, Anna und Ursula. Nach seinem Tod verwaltete Kunigunde von Hutten das beträchtliche Vermögen und war bemüht, es zu vermehren. Bereits 1526, noch zu Lebzeiten Frowins, hatte Kunigunde in Steinheim ein Haus aus dem Besitz Hammanns von Holzhausen erworben, das vormals zum Eigentum des Johann von Hattstein gehört hatte. Es ist das einstmals herrschaftliche Anwesen und heutige Café Huttenhof, das trotz vielen Umbauten und anderweitigen Nutzungen noch Ornamente der Renaissance aufweist. In diesem Haus hat Frowin von Hutten seine letzten Jahre verbracht und ist darin gestorben.

Seine Frau Kunigunde hat ihn beinahe zwei Jahrzehnte überlebt. Sie starb am 9. März 1548 und wurde in der Stadtpfarrkirche Sankt Johann in Steinheim am Main zur ewigen Ruhe gebettet. Das Andachtsbild zum Gedächtnis des Ehepaars steht an der Nordwand in der dortigen Kirche. Es ist mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod zur Erinnerung an den Ruhm des kurmainzischen Staatsmanns geschaffen worden.

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Der Grabstein des „alten Mainzer Hofmeisters“ befindet sich im Kreuzgang des ehemaligen Klosters Schlüchtern. Dort fand er seine letzte Ruhe. Hier wird das korrekte Sterbedatum für den Ritter genannt, nämlich der 10. Januar 1529. Frowin von Hutten kann als Vorkämpfer der reichsritterlichen Interessen angesehen werden: so im Freigericht Wilmundsheim, bei der Gründung des Mittel-Rheinisch-Wetterauischen Rittervereins, in der Fehde der Reifenberger Ganerben mit Hessen und dem Sickingenschen Kampf gegen Trier. Er habe im Bauernkrieg 1525 nicht nur seine eigenen Interessen, sondern auch die der Fürsten verteidigt und war auf Weisung des Schwäbischen Bundes dazu ausersehen worden, die Durchführung des Strafgerichts und die Erhebung der Brandschatzungen in den beteiligten Städten und Dörfern vorzunehmen.

Quellen: Hanna, Georg-Wilhelm: Ministerialität, Macht und Mediatisierung: Die Ritteradligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches, (Hanauer Geschichtsblätter Band 44), Hanau 2007, S. 115-151. – Kaiser, Wilhelm Bernhard, Steinheim. Denkmäler und Geschichte, Hanau-Steinheim 1988, S. 81-84.